Atelierbesuch .


Beth Hart, I'll take care of you [embedded from youtube.com]

Meine Malerei ist der Versuch, unseren Lebensraum aus einer zeitgemäßen Perspektive zu erfassen. Nicht nur, um dieser malerisch anderen Sichtweise, sondern insbesondere einem achtsameren Umgang mit unserem Lebensraum zur dringend notwendigen Aufmerksamkeit zu verhelfen.

Wolfgang Sinwel
Sylvia Mraz, Katalogtext zur Ausstellung Art Room Würth Austria, 2010

Von oben

Blick ins Atelier von Wolfgang SinwelWer vor den großformatigen Landschaften von Wolfgang Sinwel steht, erlebt nicht selten ein unbändiges Gefühl von Weite, Freiheit und Erhabenheit. Kein Wunder, fühlt man sich doch als Betrachter in luftige Höhen versetzt, aus denen man den Blick hinab wirft auf die weit darunter liegenden Landschaften. Die Flugperspektive gibt den Blick unverstellt frei auf Täler, Felder, Berge und Gewässer, darüber ziehen bisweilen diffuse Wolkenfetzen und verschleiern die darunterliegende Gegend. Dass wir es hier mit etwas anderem, als dem Blick auf unsere Erde, zu tun haben könnten, ist für die meisten Betrachter wohl ausgeschlossen. Sinwels Tafelbilder sind aber keineswegs topographische Ansichten unseres Planeten. Vielmehr entstehen örtliche und räumliche Assoziationen ausschließlich im Auge des Betrachters, während sich doch in Wahrheit nur Pinselspuren auf der Leinwand befinden. Für den Künstler geht es vielmehr um eine visuelle Umsetzung von Erlebnissen, Gedanken und Atmosphäre. Der Wiener Künstler versteht seine Arbeiten über das Seherlebnis hinaus stets als Einladung zum Dialog an den Betrachter, der sich in der Auseinandersetzung mit den dargestellten Ansichten sein eigenes Weltbild konstruieren kann/darf/soll. Die Bilder laden ein zum kontemplativen Versenken, simulieren sie doch das Abgehobensein von dieser Welt, das durch die radikale Perspektive Lösung und Leichtigkeit vermittelt. Bezeichnend und bestimmend ist dabei außerdem der stete Rückverweis auf den Betrachter und seinen individuellen Erfahrungshorizont, der den Dialog mit der Malerei letztlich bestimmt.

Roland Geiger, Heidelberg

Kreidig matt

“Da ist eine Ebene, kreidig, matt, wie auf ein Fließblatt gemalt, halb weggetaucht scheinend ... in sich selbst zurückgezogen agierend. Die Landschaften von Wolfgang Sinwel kommen dem Betrachter zurückgehalten entgegen. Der Maler stellt uns in stille Welten, in Panoramen, die sich selbst genügen.

Aber es ist auch die Poesie des Gebrauchten, was uns, vor diesen Bildern stehend, anrührt, an die Hand nimmt, deren Puls man fühlt. Der Reiz des Sichnähernwollens, das Mysterium eines Wechselspiels des Verständlichen mit dem verschlüsselt Mehrdeutigen, dem Zwischen - das objektiv Wirkliche ist nur zu erfühlen.

Malt Wolfgang Sinwel nicht seinen inneren Spiegel nach? Wieso bin ich ohne jede Begründung davon überzeugt, dass in diesen Landschaften ein Klima herrscht, das dem Menschen entspricht? Woher weiß der Betrachter, dass das, was sich da vor ihm über die mittelformatige Leinwand breitet, die Erde ist?”

Maxime Zerkout, Strasbourg

Seltenheit

“Es kommt selten vor, dass man nach 35 Jahren der Beobachtung vom Schaffen eines Künstlers noch überrascht sein kann. Insbesondere dann, wenn es sich um ein einziges Thema handelt: die Landschaft. Zwischen 1977, dem Entstehen der ersten Arbeiten Wolfgang Sinwels, und 2012 sind fünfunddreißig Jahre verflossen. Jahre, die dem Erforschen der Landschaft in all ihren Aspekten gewidmet waren. Eine Landschaft beständig überflogen, quasi mit schwebendem Bewusstsein gestreift. Der Wandel in dieser 35-jährigen Arbeit resümiert in einem Begriff: Objektivität. Der Blick des Künstlers hat sich Objektivität erarbeitet. Da, wo das Bild vormals von Nostalgie, von starker Trauer, manchmal auch von Todesahnung geprägt war, ist es heute in größerem Maß beschreibend und konkret. Das Objekt ist nach wie vor dasselbe: Irdisches Land, entblößt und verklärt.”